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Autel EVO Max: Das C2-Label liegt nicht im Karton

Sie packen eine EVO Max 4T aus. Koffer, Akkus, Fernsteuerung, Propeller. Was nicht dabei ist: der Aufkleber mit dem C2-Klassenzeichen. Und ohne den fliegen Sie mit einem Gerät für knapp 6.000 Euro in derselben Unterkategorie wie ein namenloser Bausatz vom Flohmarkt.

Das klingt nach einem Fehler, ist aber Absicht. Autel hat die C2-Zertifizierung für die gesamte EVO-Max-Serie, die Plakette wird jedoch einzeln angefordert. Wer davon nichts weiß, verschenkt den halben Einsatzbereich seiner Drohne.

Geöffneter Transportkoffer für eine Inspektionsdrohne, daneben ein leerer weißer Aufkleber

Inhalt

Inspektionsdrohne im Flug nahe einer Wohnhausfassade

30 Meter oder 150 Meter: was C2 praktisch ändert

Die Zahlen stehen für zwei völlig verschiedene Arbeitstage.

Mit C2-Kennzeichen fliegen Sie in der Unterkategorie A2. Mindestabstand zu unbeteiligten Personen: 30 Meter, im Langsamflugmodus 5 Meter. Sie kommen an Fassaden heran, arbeiten in Innenhöfen, prüfen ein Dach, während unten der Betrieb weiterläuft.

Ohne C2-Kennzeichen bleibt Ihnen A3. Das heißt: 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten. In einer Stadt finden Sie diesen Abstand praktisch nirgends. Übrig bleiben Felder und Freiflächen.

Die EVO Max wiegt 1.999 Gramm und liegt damit klar unter der Vier-Kilo-Grenze der C2-Klasse. Autel musste bei der Startmasse also nichts anpassen – die Drohne war von Anfang an dafür gebaut.

Warum der A2-Schein allein nichts nützt

Hier liegt der Denkfehler, den ich am häufigsten höre: „Ich habe doch den A2-Schein, also darf ich in A2 fliegen.“

Nein. Seit dem 1. Januar 2024 ist die Unterkategorie A2 ausschließlich Drohnen mit C2-Klassifizierung vorbehalten. Der Schein qualifiziert den Piloten, das Klassenzeichen qualifiziert das Gerät. Fehlt eines von beidem, ist A2 zu.

Beides brauchen Sie also: die Plakette auf der Drohne und das EU-Fernpilotenzeugnis A2, das Sie nach einer Online-Schulung mit anschließender Prüfung bekommen. Die Prüfung können Sie in jedem EASA-Mitgliedsstaat ablegen, sie gilt anschließend überall.

Das Label anfordern: vier Schritte

Rechnen Sie mit einer halben Stunde Arbeit und ein paar Tagen Wartezeit auf die Post.

Erstens: Firmware aktualisieren. Autel nennt als Mindestversion V1.7.0.123. Inzwischen liegt die aktuelle Firmware deutlich darüber, prüfen Sie die Release Notes auf der Autel-Seite. Das Update läuft über den Smart Controller mit Internetverbindung.

Zweitens: LED-Anzeige prüfen. Nach dem Update und einem Neustart müssen die Leuchten an den vorderen Armen durchgehend grün oder blau leuchten. Fotografieren Sie das – das Bild brauchen Sie gleich.

Drittens: Seriennummer heraussuchen. In der Fernsteuerung unter Mehr, Einstellungen, Mehr, Info. Notieren oder abfotografieren.

Viertens: Formular ausfüllen. Auf der Support-Seite von Autel Robotics reichen Sie ein: Seriennummer des Fluggeräts, das Foto der LED-Anzeige und Ihre Versandadresse. Danach warten Sie auf die Rückmeldung des Support-Teams, das Label kommt per Post.

Kostenpunkt: nichts. Die Nachklassifizierung ist bei Autel wie bei DJI kostenfrei und zeitlich nicht befristet.

Was Sie sich mit C2 mit einhandeln

Ein Punkt, über den in den Anleitungen selten jemand spricht: Mit der Klassifizierung auf C1, C2 oder C3 wird die Fernidentifizierung aktiviert. Die Drohne funkt im Flug Ihre UAS-Betreibernummer und ihre Position.

Für Bestandsdrohnen ohne Klassenzeichen ist Remote ID nicht verpflichtend. Wer also gezielt ohne Fernidentifizierung fliegen will, bleibt in A3 – mit allem, was das an Abstand bedeutet. Für die allermeisten gewerblichen Einsätze ist das ein schlechter Tausch, aber Sie sollten wissen, dass Sie ihn machen.

Selbst nachprüfen, ob die Zertifizierung existiert

Sie müssen das nicht glauben, Sie können es nachsehen. Autel hat die C2-Prüfung bei Applus durchführen lassen, einer von der EASA benannten Stelle. Das Zertifikat trägt die Kennung 0370-UAS-0008 und ist in der öffentlichen Liste von Applus einsehbar.

Eine zentrale Liste aller klassifizierten Drohnen führt die EASA nicht. Prüfen lässt sich die Klasse an drei Stellen: an der Plakette auf dem Gerät, an der EU-Konformitätserklärung im Karton, die auf die Verordnung (EU) 2019/945 und die Seriennummer verweist, und am Zertifikat der benannten Stelle. Wenn Ihnen jemand ein Gerät als „C2-fähig“ verkauft und keine dieser drei Nachweise zeigen kann, lohnt sich eine Rückfrage.

Und die EVO Max 4N?

Kurz: Ja, die 4N ist mit dabei. Autel führt sie in der Liste der zertifizierten Modelle namentlich auf, zusammen mit der 4T und sieben weiteren Geräten der EVO-Reihe.

Verwirrend ist nur das Antragsformular: Es trägt die Überschrift „C-Label Application — EVO Max 4T“ und nennt auch im Text ausschließlich die 4T. Die Mitteilung zur Zertifizierung spricht dagegen durchgehend von der EVO-Max-Serie. Reichen Sie den Antrag für eine 4N über dasselbe Formular ein und geben Sie die Seriennummer Ihres Geräts an — die Klasse hängt am Modell, nicht am Formular.

Wenn Sie eine 4N bei uns kaufen, prüfen wir den aktuellen Stand des Verfahrens für Sie mit.

Wie sich die beiden Hersteller sonst unterscheiden, steht in DJI oder Autel? Welcher Hersteller wirklich zu Ihrem Einsatz passt.

Wenn gar keine Klasse drauf ist

Ältere Geräte ohne jedes Klassenzeichen dürfen unbefristet weiterfliegen. Sie gelten als Bestandsdrohnen: unter 250 Gramm nach den Regeln von A1, darüber nach A3. Ein Ablaufdatum gibt es nicht mehr.

Ob sich eine Nachklassifizierung lohnt, hängt am Gewicht. Über 250 Gramm fast immer, weil der Sprung von A3 nach A2 den Einsatzbereich verändert. Darunter selten, weil die Bestandsregelung dort ohnehin kaum einschränkt. Wenn Ihr Einsatz über die offene Kategorie hinausgeht, führt der Weg ohnehin über eine Betriebsgenehmigung für die spezielle Kategorie.

Häufige Fragen

Kostet das C2-Label bei Autel etwas?

Nein. Die Nachklassifizierung ist kostenfrei und unbefristet, sowohl bei Autel als auch bei DJI.

Ich habe den A2-Schein. Reicht das für A2-Flüge?

Nein. A2 setzt beides voraus: das C2-Klassenzeichen an der Drohne und das Fernpilotenzeugnis A2 beim Piloten. Seit Januar 2024 gibt es dafür keine Übergangsregelung mehr.

Wie lange dauert es, bis die Plakette da ist?

Das Label kommt per Post, nachdem der Autel-Support Ihre Angaben geprüft hat. Eine feste Bearbeitungszeit nennt Autel nicht.

Was ändert sich am Flugverhalten nach dem Update?

Am Fluggerät selbst ändert die C2-Zertifizierung wenig. Die EVO Max lag mit 1.999 Gramm schon vorher unter der Vier-Kilo-Grenze, eine Anpassung der Startmasse war nicht nötig. Hinzu kommt die aktivierte Fernidentifizierung.

Kann ich das Label nachträglich verlieren?

Das Klassenzeichen hängt an Gerät und Firmware. Wer eine ältere Firmware zurückspielt, sollte davon ausgehen, dass die Konformität damit nicht mehr gegeben ist.

Gilt das auch für die Autel Alpha?

Für die Alpha liegt uns keine bestätigte EU-Klassifizierung vor. Wir haben beim Hersteller angefragt und geben den Stand weiter, sobald er da ist. Bis dahin gehen Sie bei der Alpha von A3 aus, wenn Sie keine anderslautende Bestätigung von Autel haben.

Unsicher, welche Klasse an Ihrem Gerät hängt oder ob sich die Nachklassifizierung für Ihren Einsatz lohnt? Schreiben Sie uns Modell und Seriennummer, dann sehen wir gemeinsam nach.

Borys Khomenko ist Geschäftsführer der BOKODER UG und betreut bei EXDED die technische Beratung für gewerbliche Kunden.

Quellen: Mitteilung von Autel Robotics zur C2-Zertifizierung der EVO-Max-Serie (autelrobotics.com), Zertifikatsliste der benannten Stelle Applus (Kennung 0370-UAS-0008), Durchführungsverordnung (EU) 2019/945 und (EU) 2019/947, Liste der EASA zu Drohnen mit CE-Klassenkennzeichnung. Stand: August 2026. Angaben ohne Gewähr, maßgeblich sind die Angaben des Herstellers und der Luftfahrtbehörden.

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