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Lastendrohne: die Zahlen, die im Netz falsch stehen

Transportdrohne mit Frachtbox auf einem Waldweg, Techniker prüft die Ladung

Wer in Deutschland nach einer Lastendrohne sucht, stößt schnell auf zwei Zahlen: 20 Kilometer Reichweite und bis zu 40 Minuten Flugzeit. Sie stehen in Fachartikeln, in Shoptexten, in Branchenmeldungen.

Für den Betrieb in Deutschland stimmt keine von beiden.

Die 20 km sind der FCC-Wert der Funkstrecke, gültig in den USA. In der EU sind es 8 km. Und 40 Minuten Flugzeit findet man in keiner Zeile des Herstellerdatenblatts — der Höchstwert liegt bei 29 Minuten Schwebezeit, ohne jede Last, mit zwei vollen Akkus.

Beides lässt sich in zwei Minuten auf der offiziellen Spezifikationsseite von DJI nachlesen. Trotzdem wandern die falschen Werte seit zwei Jahren von Text zu Text.

Wir verkaufen diese Geräte. Uns kostet es Zeit, wenn ein Kunde mit Erwartungen anruft, die auf abgeschriebenen Zahlen beruhen. Deshalb dieser Artikel: die tatsächlichen Werte, die Quelle dazu, und was daraus für die Planung folgt.

Inhalt

Woher die zehn Kilo kommen

Fast jedes Angebot zur DJI FlyCart 30 nennt 40 Kilogramm Nutzlast. Die Zahl stimmt. Was seltener danebensteht: Bei 40 Kilogramm bleibt die Drohne neun Minuten oben und kommt acht Kilometer weit. Mit 30 Kilogramm sind es 18 Minuten und 16 Kilometer.

Uns ist das selbst erst aufgefallen, als wir für einen Kunden nachgerechnet haben, warum die Werte nicht zusammenpassen wollten. Die Erklärung ist unspektakulär.

Die FlyCart 30 wiegt leer 42,5 kg. Ein DB2000-Akku wiegt 11,3 kg. Das maximale Abfluggewicht liegt bei 95 kg.

Mit zwei Akkus ist die Drohne bei 65,1 kg, bevor irgendetwas geladen ist. Bleiben knapp 30 kg. Mit einem Akku sind es 53,8 kg, bleiben gut 41.

Die zusätzliche Nutzlast im Einzelakku-Betrieb ist also der weggelassene zweite Akku. Nicht mehr Motorleistung, nicht mehr Schub. Ein Akku weniger an Bord, zehn Kilo mehr in der Box, halbe Energie.

DJI selbst bezeichnet diesen Modus als Notfallkonfiguration. In deutschen Shoptexten steht davon meistens nichts.

Zwei Akkus Ein Akku
Nutzlast 30 kg 40 kg
Flugzeit bei Volllast 18 min 9 min
Flugstrecke bei Volllast 16 km 8 km
Flugstrecke ohne Last 28 km 12 km
Schwebezeit ohne Last 29 min 15 min

Gemessen auf Meereshöhe, windstill, mit neuen Akkus. Bei Gegenwind, im Winter und nach zwei Saisons Zellalterung liegen die Werte darunter. Um wie viel, gibt kein Hersteller an, weil es niemand seriös vorhersagen kann.

Box oder Winde

Beladen lässt sich die FlyCart 30 auf zwei Arten, und die Entscheidung fällt vor dem Kauf.

Die Frachtbox aus EPP mit Alurahmen fasst innen 573 × 416 × 305 mm, also knapp 73 Liter. Sie wiegt selbst rund drei Kilo und verwiegt die Ladung beim Beladen. Voraussetzung ist eine Landefläche am Ziel.

Die Winde arbeitet mit 20 Meter Seil bei 0,8 m/s. Die Last klinkt beim Aufsetzen automatisch aus, die Drohne bleibt oben. Für Steilhang, Wasserflächen oder Masten gibt es dazu keine Alternative.

Bei der Winde steht eine Zahl im Datenblatt, die in Verkaufstexten praktisch nie auftaucht: Sie arbeitet erst ab fünf Kilogramm. Darunter nicht. Der Bereich liegt bei 5 bis 30 kg mit zwei Akkus und 5 bis 40 kg mit einem.

Für Betriebe, die vor allem Kleinteile bewegen wollen, Werkzeug, Ersatzteile, Sanitätsmaterial, ist das eine harte Grenze. Wer sie übersieht, hat ein System gekauft, das seine häufigste Aufgabe nicht erledigen kann.

Das Windensystem bringt mit Klemmgewicht und Kupplung rund fünf Kilo auf die Waage. Das geht von der Nutzlast ab.

Der Fallschirm braucht 60 Meter

Diese Angabe steht in den offiziellen Spezifikationen und fehlt in jedem Shoptext, den wir gefunden haben: Die Mindestöffnungshöhe des Fallschirms liegt bei 60 Metern.

Darunter entfaltet er sich nicht mehr vollständig. Die Auslösezeit beträgt etwa eine Sekunde, die Sinkgeschwindigkeit höchstens 6 m/s, die Fläche gut 22 Quadratmeter. Bis 95 kg trägt er.

Transportflüge laufen häufig auf 30 bis 50 Metern. In diesem Bereich ist der Fallschirm vorhanden, aber wirkungslos. Das ist eine Eigenschaft des Systems und keine Kritik am Gerät, gehört aber in die Risikobewertung. Wer es beim SORA übersieht, bekommt es von der Behörde zurück.

Die Funkstrecke endet vor der Flugstrecke

Das O3-System schafft in Europa 8 km. Die 20 km, mit denen fast überall geworben wird, gelten nach FCC und damit für die USA. In den Spezifikationen steht beides nebeneinander, meist wird nur der größere Wert übernommen.

Mit 30 kg Last fliegt die Drohne 16 km weit. Die Reichweite des Fluggeräts ist damit doppelt so groß wie die der Funkverbindung.

Genau dafür gibt es das DJI-Cellular-Modul: Über Mobilfunk läuft die Verbindung weiter, wo die Funkstrecke aufhört. Wenn Ihre Route über acht Kilometer hinausgeht, ist das Modul Voraussetzung und kein Zubehör.

Prüfen Sie die Netzabdeckung entlang der Strecke, bevor Sie planen. In Waldgebieten und im Mittelgebirge ist sie oft dort am schlechtesten, wo eine Transportdrohne den größten Nutzen hätte.

An Bord sind außerdem ein ADS-B-Empfänger, der vor bemannter Luftfahrt warnt, aktive Phased-Array-Radare vorne und hinten sowie ein binokulares Sichtsystem.

Der Strom wird unterschätzt

Zwei DB2000 speichern zusammen knapp 4 kWh. Diese Menge fällt nach jedem Flug wieder an.

Zwei Industrieakkus und ein Ladegerät im Laderaum eines Transporters

Das Ladegerät C8000 kann 7.200 Watt, allerdings nur mit zwei getrennten Netzeingängen. An einem Eingang sind es 3.600 W. Eine Haushaltssteckdose mit 16 A liefert rund 3,7 kW, damit versorgen Sie genau einen Strang.

Rechnerisch bedeutet das etwa eine halbe Stunde pro Akku, Verluste noch nicht eingerechnet. Zwei Akkus an einem Eingang: rund eine Stunde Standzeit zwischen zwei Flügen.

Im Feld brauchen Sie dafür einen Generator oder eine mobile Ladelösung. Sonst begrenzt nicht die Drohne den Einsatzradius, sondern die nächste Steckdose.

Für den Winter: Die Akkus heizen sich unterhalb von 10 °C selbst vor. Das kostet Zeit und etwas Ladung. Der Betriebsbereich reicht von -20 bis 45 °C, die Schutzart ist IP55, der Windwiderstand liegt bei 12 m/s.

Was ein Flug kostet

Der Strom ist der kleinste Posten. Knapp 4 kWh, bei 30 Cent je Kilowattstunde also gut einen Euro pro vollem Ladezyklus. Damit fliegen Sie 30 Kilogramm über 16 Kilometer.

Was tatsächlich ins Gewicht fällt, steht daneben: Abschreibung auf die Anschaffung, Akkus als Verschleißteil, Versicherung, Personal, das Genehmigungsverfahren. Herstellerangaben zur Zyklenfestigkeit der DB2000 gibt es nicht, deshalb rechnen wir hier auch keine aus.

Der belastbare Rechenweg geht andersherum, über den Ist-Zustand: Was kostet Sie heute eine einzelne Fahrt zu dem Punkt, den Sie versorgen müssen, mit Arbeitszeit, Umweg und Wartezeiten? Wie oft im Jahr fällt sie an?

Erst wenn diese Summe in die Größenordnung der Anschaffung kommt, lohnt das Gespräch über Technik. Kunden, bei denen die Rechnung aufgeht, kommen meist aus zwei Ecken: Sie versorgen regelmäßig denselben schwer erreichbaren Punkt, oder sie zahlen für den Bodenweg mit Sperrzeiten und Sicherungsposten.

FlyCart 30, FlyCart 100 oder Agras T100

Wer 100 kg heben will, landet nicht zwangsläufig bei einer Transportdrohne. Die Agras T100 kann mit dem Hebesystem ebenfalls schwere Lasten bewegen und kostet deutlich weniger. Der Vergleich lohnt sich, führt aber schnell in die Irre, wenn man nur auf die Nutzlast schaut.

FlyCart 30 FlyCart 100 Agras T100
Nutzlast 30 kg / 40 kg bis 100 kg 100 kg (Hebesystem)
Flugzeit bei Volllast 18 min auf Anfrage ca. 8–10 min
Funkreichweite (CE) 8 km auf Anfrage 4 km
Windwiderstand 12 m/s auf Anfrage 6 m/s
Schutzart IP55 IP55 IP67
Winde ja, 5–40 kg ja Hebesystem separat
Preis brutto 21.999 € auf Anfrage 12.249 €

Der entscheidende Unterschied steht in der Zeile Windwiderstand. 6 m/s sind Windstärke 4 — ein normaler Tag in Norddeutschland. Die T100 ist als Agrarmaschine für ruhige Vormittagsstunden gebaut, die FlyCart 30 hält das Doppelte aus. Wer Transportaufgaben terminlich zusagen muss, kauft sich mit den 12 m/s Einsatztage.

Dazu kommt die Funkreichweite: 4 km bei der T100 gegenüber 8 km bei der FlyCart 30.

Zur FlyCart 100 gibt es keine belastbaren deutschen Zahlen. DJI hat sie am 4. Dezember 2025 weltweit vorgestellt, Herstellerangabe bis 100 kg Nutzlast, zusätzlich LiDAR, Fallschirm, schnelleres Ladesystem. Die Angaben zu Reichweite und Modi gehen zwischen den Quellen auseinander, und wir schreiben hier nichts hin, was wir nicht selbst geprüft haben. Fragen Sie an, dann rechnen wir Ihre Route mit den aktuellen Werksangaben durch.

Oberhalb davon wird die Luft dünn. Anfragen nach Drohnen mit 200, 300 oder 500 kg Nutzlast bekommen wir regelmäßig. Serienfertige Geräte dieser Größe gibt es auf dem europäischen Markt kaum, und was es gibt, bewegt sich preislich und regulatorisch in einer anderen Welt, oft näher am unbemannten Hubschrauber als am Multikopter.

Ohne Betriebsgenehmigung bleibt sie stehen

42,5 kg Leergewicht liegen weit über der 25-kg-Grenze der offenen Kategorie. Dazu kommt das Absetzen von Lasten, das für sich genommen schon genehmigungspflichtig ist.

Der Betrieb läuft damit immer in der speziellen Kategorie. Sie brauchen ein Betriebshandbuch, eine SORA-Risikobewertung und eine Betriebsgenehmigung Ihrer zuständigen Luftfahrtbehörde.

Beim Luftfahrt-Bundesamt liegt die Wartezeit bis zum Beginn der Bearbeitung derzeit bei über sechs Monaten. Die Bearbeitung selbst dauert dann wenige Werktage.

Daran scheitern die meisten Beschaffungen: im Frühjahr bestellt, im Sommer geliefert, im Jahr darauf geflogen. Wie das Verfahren abläuft und welche Behörde für welches Bundesland zuständig ist, haben wir im Ratgeber zur Betriebsgenehmigung aufgeschrieben.

Der Antrag gehört vor die Bestellung. Das Gerätemuster steht im Antrag, ein späterer Wechsel bedeutet Änderungsantrag und neue Wartezeit.

Rechnet sich das

Eine Transportdrohne konkurriert nicht mit dem Lkw. Sie konkurriert mit dem Umweg.

Wo eine befahrbare Zufahrt existiert, gewinnt der Transporter jedes Mal. 30 kg für ein paar Euro Sprit, ohne Genehmigungsverfahren und ohne Ladepause.

Interessant wird es dort, wo der Bodenweg unverhältnismäßig teuer oder gar nicht vorhanden ist. Materialtransport an Hanglagen. Versorgung von Masten und Leitungstrassen. Nachschub in Gebiete ohne Zufahrt. Querungen über Wasser oder Schluchten. Einsätze in Rettung und Katastrophenschutz.

Die DJI FlyCart 30 kostet bei uns 21.999,00 € brutto, netto 18.486,55 €. Akkus, Ladegerät und je nach Einsatz Winde oder Frachtbox kommen hinzu.

Ein Hinweis zur Softwareunterstützung

Auf der offiziellen Spezifikationsseite nennt DJI für die FlyCart 30 garantierte Software-Updates bis zum 31.12.2026. Das ist eine Pflichtangabe des Herstellers und bedeutet nicht, dass danach nichts mehr kommt. Es ist der Zeitraum, für den er sie zusagt.

Bei einer Investition dieser Größe sollte man das trotzdem wissen. Wir fragen vor jeder Bestellung den aktuellen Stand ab.

Was uns am häufigsten gefragt wird

Wie viel trägt eine Lastendrohne wie die FlyCart 30 wirklich?

30 kg mit zwei Akkus, 40 kg mit einem. Der Unterschied ist das Gewicht des zweiten Akkus, nicht mehr Leistung.

Wie weit kommt sie mit voller Ladung?

16 km mit 30 kg, 8 km mit 40 kg. Unter Idealbedingungen ohne Wind.

Stimmt es, dass die Funkreichweite 20 km beträgt?

In Deutschland nicht. Die 20 km sind der FCC-Wert für die USA. In der EU sind es 8 km, erweiterbar über das Mobilfunkmodul.

Fliegt sie wirklich 40 Minuten?

Nein. Der höchste Wert im Datenblatt sind 29 Minuten Schwebezeit ohne Last mit zwei Akkus. Mit voller Ladung sind es 18 Minuten.

Brauche ich eine Genehmigung?

Ja, immer. Leergewicht und Lastabsetzung schließen die offene Kategorie aus.

Wie lange dauert das Laden?

Etwa eine halbe Stunde pro Akku bei 3.600 W. Für die vollen 7.200 W braucht das Ladegerät zwei getrennte Stromkreise.

Kann die Winde auch leichte Lasten absetzen?

Erst ab fünf Kilogramm. Darunter arbeitet das System nicht.

Fliegt sie bei Regen?

IP55, ausgelegt für Staub und Spritzwasser. Windwiderstand 12 m/s, gemessen mit 30 kg Last.

Gibt es Lastendrohnen mit 500 kg Nutzlast?

Nicht als Seriengerät auf dem europäischen Markt. Was in dieser Klasse existiert, sind Einzelanfertigungen und unbemannte Hubschrauber mit entsprechend anderem Preis und Zulassungsaufwand.

Vor der Bestellung sprechen wir über die Route

Bei Transportdrohnen entscheidet die Strecke, nicht das Modell. Wie weit, wie schwer, wie oft, ob am Ziel eine Landefläche existiert. Daraus ergibt sich die Konfiguration, und manchmal ergibt sich daraus auch, dass eine Drohne für diesen Fall nicht die richtige Lösung ist.

Beschreiben Sie uns Ihren Einsatz. Wir sagen Ihnen, was passt, und wenn nichts passt, sagen wir Ihnen das genauso.

Beratung anfragen · DJI FlyCart 30 ansehen · DJI Agriculture & Industrial

Borys Khomenko, Fachhändler für Profi-Drohnen bei EXDED, BOKODER UG, Dresden. Wir beraten Unternehmen und Behörden zu DJI- und Autel-Systemen und liefern deutschlandweit.
Kontakt: +49 1525 3038072

Stand: August 2026. Technische Daten der FlyCart 30 nach der offiziellen Spezifikationsseite von DJI (dji.com/flycart-30/specs). Angaben zur FlyCart 100 nach der DJI-Pressemitteilung vom 4. Dezember 2025. Daten zur Agras T100 nach Herstellerangabe. Genehmigungspflicht nach Durchführungsverordnung (EU) 2019/947, Bearbeitungszeiten nach Angabe des Luftfahrt-Bundesamts, Stand 12.11.2025. Herstellerwerte gelten unter Idealbedingungen und sind Richtwerte.

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